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Fortgesetzte Bewässerung im Tropfsystem: Wie ein lebendes Wasserreservoir die Dosis auf 1:10.000 reduzieren kann

  • Writer: Florian Strobel
    Florian Strobel
  • Nov 4
  • 4 min read
Tropfbewässerung (continued irrigation) im Feld: Nahaufnahme eines Emitters auf feuchtem Boden neben vitalen Pflanzen – rezirkulierende Bewässerung, in der sich Mikroben vermehren; ermöglicht 1:10 000 Erhaltungsdosis, höhere Wasser-Nutzungseffizienz und Humusaufbau.

Stell dir deinen Bewässerungstank als stillen Partner vor. Während die Pumpe ruht, arbeitet das System weiter: In Zisterne, Leitungen und Emittern siedeln sich nützliche Mikroben an, bilden Biofilme, lösen sich wieder und impfen das Umlaufwasser immer neu. Aus dem Tank wird ein lebendes Wasserreservoir. Genau dieser Effekt erlaubt es, nach einer gezielten Startgabe die Erhaltungsdosis unserer Mikroben im rezirkulierenden Drip System auf 1:10 000 zu reduzieren. Nicht, weil weniger Wirkung nötig wäre, sondern weil das System selbst zum Bioreaktor wird. Untersuchungen an rezirkulierenden Nährlösungen zeigen klar: die bakteriellen Gemeinschaften nehmen zu und verändern sich dynamisch, sobald Wasser im Kreislauf bleibt. 


Warum gerade Drip Systeme den Unterschied machen

Tropfleitungen und Tanks bieten Mikroorganismen genau das, was sie brauchen: VerweilzeitOberfläche und eine konstante, niedrige Nährstoffspur. Biofilme bauen sich in Drip-Netzen schnell auf, vor allem an Einläufen der Emitterkanäle, und nehmen entlang der Fließrichtung ab. Das ist wiederholt beschrieben und erklärt auch, weshalb Biofilm in der Praxis zu Verengungen führen kann. Für uns ist das keine Störung, solange Filtration, Spülintervalle und Monitoring sauber aufgesetzt sind. Dann wird Biofilm zum Speicher, der das Wasser kontinuierlich mit Zellen anreichert. 

Dass Biofilm ein realer Speicher ist, zeigen Messungen in Bewässerungsleitungen: Die im Biofilm gebundene Bakterienzahl kann diejenige im freien Wasser zeitweise übertreffen und die mikrobiologische Qualität des Bewässerungswassers sichtbar prägen. Mit jedem Spülimpuls werden Zellen ausgetragen und verteilen sich im Netz. 


Was unsere Stämme im Tank tun

Viele unserer Kernstämme sind Bacillus-Formulierungen mit Sporen. Sporen sind robust, überstehen Lagerung und Dosierung und keimen bei passenden Signalen. Einer der stärksten Keimauslöser ist die Aminosäure L-Alanin, erkannt über den GerA-Rezeptor in der Sporenmembran. Ist die Keimung gestartet, wächst die Zelle vegetativ weiter. Genau diese Mechanik macht rezirkulierende Tanks so wertvoll, denn schon geringe organische Signale aus Make-up-Water, Substratfeinheiten oder Wurzelexsudaten reichen, um die Starterpopulation zu aktivieren und im Kreislauf zu vermehren. 


Der Aha-Effekt auf dem Feld: Wasser, Boden, Pflanze

Unter Tropf- oder Defizitbewässerung verbessern PGPR nachweislich die Wasser-Nutzungseffizienz (WUE) und stabilisieren Erträge. Das ist in kontrollierten Versuchen und Reviews dokumentiert. 

Parallel leisten bakterielle Exopolysaccharide (EPS) harte Arbeit im Boden. EPS fördern die Mikro- und Makroaggregation, erhöhen Stabilität und Wasserhaltevermögen und bilden damit eine physikalische Grundlage für Humusaufbau und resiliente Bodenstruktur. Diese Funktionen sind breit beschrieben, von Übersichtsarbeiten bis zu experimentellen Studien. 


So wird aus 1:1000 die 1:10 000-Erhaltungsdosis

Startphase

  • In rezirkulierenden Drip-Systemen dosierst du einmalig in die Zisterne, typischerweise 1:1000. Ziel ist die Etablierung im Wasser und an Oberflächen.

Erhaltungsmodus

  • Nach Etablierung reduzierst du auf ca. 1:10 000 je Neubefüllung. Die Population wird durch Wachstum im Tank und Biofilm-Reservoirs getragen. Voraussetzung sind sinnvolle Betriebsbedingungen: Hydraulic Retention Time idealerweise 24–48 h, gelöster Sauerstoff im moderaten Bereich, pH etwa 6 bis 8, keine Restdesinfektion im Make-up-Water. Wo nötig, vorher entgasen oder über Aktivkohle fahren. Diese Logik ist konsistent mit der Literatur zu mikrobiellen Veränderungen in rezirkulierenden Kreisläufen sowie zur Biofilmbildung in Drip-Netzen. 

Komfort mit Sicherheitsnetz

  • Biofilm muss gesteuert werden. Das ist Stand der Technik: Sieb- oder Scheibenfilter, dokumentierte Spülpläne, Beobachtung der Druckdifferenzen. Bei starker Verengung wirken physikalische und chemische Reinigungen, anschließend solltest du neu inokulieren, zum Beispiel einmalig mit 1:1000, um die gewünschte Community wieder aufzubauen. Aktuelle Reviews und Studien zu Emitter-Clogging liefern dazu klare Hinweise. 


Qualität statt Desinfektion auf Autopilot

In Gewächshaus- und Horti-Kreisläufen ist bekannt, dass Desinfektionsstrategien zwar Pathogene drücken, aber auch nützliche Mikroben reduzieren. Moderne Empfehlungen setzen deshalb auf Risikomanagement und Monitoring statt Dauereinsatz oxidativer Mittel. Für unser Protokoll heißt das: Hygiene ja, aber zielgerichtet, damit das lebende Reservoir als Leistungsträger erhalten bleibt. 


FAQ

Wann ist 1:10 000 realistisch?

Wenn das System rezirkuliert, der Tank Verweilzeit bietet, keine Desinfektionsreste anliegen und Filtration sowie Spülung aktiv sind. In reinen Durchfluss-Systemen bleibt die Standardgabe 1:1000 bis 5:1000 sinnvoll.


Wie lange dauert die Etablierung nach der Startgabe?

Meist einige Wochen, abhängig von Temperatur, pH, Sauerstoff, Spülregime und Nährstoffspur.


Verträgt sich das mit Fertigation?

Ja, solange EC und pH im üblichen Bereich bleiben und direkt vor oder nach der Mikrobengabe keine starken Oxidationsmittel eingesetzt werden.


Wie messen wir Erfolg im Betrieb?

Pragmatisch: EC, pH, Temperatur, gelöster Sauerstoff, Druckdifferenzen an Filtern, Durchfluss-Uniformität der Lateralen. Optional ATP- oder Keimzahl-Checks am Tank.


Und wenn Biofilm Emitter verengt?

Filtration und Spülungen anziehen. Bei chemischer Reinigung danach neu inokulieren. Das entspricht der Evidenzlage zu Clogging und Biofilm-Management.


Kernaussage

Rezirkulierende Tropfbewässerung verwandelt den Tank in ein biologisch aktives Reservoir. Das ist wissenschaftlich gut belegt und erklärt, warum nach der Startgabe eine Erhaltungsdosis von etwa 1:10 000 genügt. Ergebnis: weniger Frischwasserstabile mikrobielle Leistungstärkerer Bodengesündere Pflanzen


Quellen und weiterführende Literatur

  1. Dynamik rezirkulierender Nährlösungen: Dong CJ et al. 2020, PLOS ONE. Zeigt deutliche Veränderungen bakterieller Gemeinschaften in rezirkulierenden Systemen. 

    1. https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0232446

  2. Biofilm in Drip-Emittern: Ma C et al. 2024, Agricultural Water Management. Biofilm akkumuliert am Einlass der Emitterkanäle. 

    1. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378377423004894

  3. Geometrie vs. Verstopfung: Yan D. 2009, J Environ Sci. Einfluss der Kanalgeometrie auf Clogging. 

    1. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1001074208623499

  4. Biofilm als Bakterienspeicher: Investigations zu Bewässerungsleitungen, Einfluss von Biofilm auf Wasserqualität. 

    1. https://www.researchgate.net/publication/51860760_Effect_of_biofilm_in_irrigation_pipes_on_microbial_quality_of_irrigation_water

  5. Spore-Keimung durch L-Alanin: Atluri S et al. 2006, J Bacteriol/PMC; mechanistische Arbeiten zu GerA-Rezeptoren. 

    1. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC1317597/

  6. Germinant-Rezeptoren: Aspholm M et al. 2019, J Bacteriol. Überblick zur Rolle einzelner Rezeptor-Untereinheiten. 

    1. https://journals.asm.org/doi/10.1128/jb.00451-19

  7. PGPR und WUE: Abd El-Mageed TA et al. 2022, Horticulturae/PMC. Drip unter limitiertem Wasser, WUE und Ertragsparameter besser.

    1. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8921367/

  8. WUE in der Praxis: Le TA et al. 2018, HortScience. Defizitbewässerung mit hoher WUE. 

    1. https://journals.ashs.org/view/journals/hortsci/53/6/article-p816.xml

  9. EPS und Aggregatstabilität: Bhagat N et al. 2021, Microorganisms/PMC. EPS fördern Mikroaggregation, Struktur, Wasserrückhalt. 

    1. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9706007/

  10. EPS, Wasserhaltevermögen: Sher Y et al. 2020, Soil Biology & Biochemistry. EPS verbessern Aggregatstabilität und Retention. 

    1. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0038071720300390

  11. EPS und Bodenstruktur: Zhang H et al. 2024, Microorganisms (MDPI). Bedeutung EPS-bildender Bakterien für Aggregatbildung. 

    1. https://www.mdpi.com/2076-2607/12/11/2112

  12. Risikomanagement im Bewässerungswasser: Raudales RE et al. 2014, Agricultural Water Management. Strategien für Kontrolle von Pathogenen, Biofilmen, Algen in Horti-Systemen. 

    1. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0378377414001838

  13. Emitter-Clogging und Behandlung: Dehghanisanij H et al. 2025, Scientific Reports. Wirksamkeit von Reinigungsstrategien; nach Reinigung Re-Inokulation erwägen. 

    1. https://www.nature.com/articles/s41598-025-95915-w


Garden Stock Foto von Vecteezy: https://www.vecteezy.com/free-photos/garden

 
 
 
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