Rhizosphäre: Wie Pflanzen Mikroben fürs Wachstum & Nährstoffe steuern
- Florian Strobel

- 10 oct
- 2 Min. de lectura
Wurzeln geben ein vielfältiges Gemisch aus Zuckern, organischen Säuren, Phenolen, Ionen, Hormonen und weiteren Metaboliten in den Boden ab. Diese Wurzelexsudate reichern die Rhizosphäre mit Nährstoffen an, ziehen Mikroorganismen an und erhöhen dort ihre Dichte und Aktivität deutlich gegenüber dem umgebenden Boden. So prägen Pflanzen aktiv die Zusammensetzung ihres Mikrobioms – mit Konsequenzen für Nährstoffkreisläufe, Wachstum und Resilienz.

Was in der Rhizosphäre passiert
Exsudation als Lenkungssignal: Pflanzen investieren einen merklichen Anteil fixierten Kohlenstoffs und Stickstoffs in Exsudate; diese modulieren die Ansiedlung und Aktivität spezifischer Mikroben. Aktuelle Reviews belegen, dass Exsudate die Mikrobengemeinschaften formen und sich dynamisch mit Entwicklungsstadium und Umwelt ändern.
Genetischer Einfluss der Wirtspflanze: Art, Sorte und sogar Wurzelarchitektur beeinflussen, welche Mikroben rekrutiert werden.
Welche Bakterien was leisten – Beispiele mit Evidenz
Abbau komplexer Pflanzenpolymere: In Boden- und Rhizosphärenproben wurden u. a. Mucilaginibacter und Pedobacter als aktive Zellulose/Hemicellulose-Abbauer identifiziert; auch Cellulomonas ist für Zelluloseabbau beschrieben. Damit erhöhen sie die Verfügbarkeit pflanzenrelevanter Nährstoffe.
Phosphat-Solubilisierung: Vertreter von Pseudomonas, Bacillus und Pantoea können schwerlösliche Phosphate in pflanzenverfügbare Formen überführen; der Hauptmechanismus ist die Produktion organischer Säuren. Neuere Studien bestätigen die Wirksamkeit solcher PSB als Biofertilizer.
Biologische Stickstofffixierung: Rhizobien versorgen Pflanzen mit gebundenem Stickstoff – ein Eckpfeiler der N-Ernährung in Leguminosen-Systemen.
Pflanzenhormone aus Bakterien: Viele Rhizosphärenbakterien synthetisieren Indol-3-Essigsäure (IAA), die Wurzelwachstum und -architektur beeinflusst. Reviews von 2015 bis 2024 fassen die Mechanismen und Effekte zusammen.
Warum das für nachhaltige Praxis zählt
Nährstoffeffizienz: Exsudat-getriebene Mikrobengemeinschaften steigern die Verfügbarkeit von P, N und Fe – das kann Mineraldüngerbedarf reduzieren, wenn Management und Mikrobeneinsatz zusammenpassen.
Stresstoleranz & Gesundheit: Gezielt rekrutierte Mikrobengemeinschaften unterstützen Abwehr, Resilienz bei Trockenheit und die Stabilität des Bodengefüges.
FAQ
Ziehen Exsudate immer “gute” Bakterien an?
Sie erhöhen die Aktivität kontextabhängig. Die Pflanzensteuerung begünstigt oft nützliche Gruppen, garantiert aber keine Einbahnstraße – Management bleibt entscheidend.
Welche Gruppen sind für P besonders relevant?
Vor allem Pseudomonas, Bacillus, Pantoea; Mechanismus primär organische Säuren/Phosphatasen.
Gibt es harte Belege für bakterielle Zellulose-/Pektin-Abbauer in Böden?
Ja. Studien zeigen Mucilaginibacter, Pedobacter und Cellulomonas als aktive Abbauer pflanzlicher Polymere.
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Quellen
Endophyten/Genetik: Pinski et al., IJMS 2019.
Exsudate & Mikrobiom (Kernreviews): Sasse et al., Trends Plant Sci 2018; Yu & Hochholdinger 2018 (Frontiers in Plant Science); Chen et al. 2024 (review).
Cellulolytische Bakterien (Mucilaginibacter/Pedobacter/Cellulomonas): López-Mondéjar et al. 2016; weitere Übersichten 2024.
Phosphat-Solubilisierer: Rodríguez & Fraga 1999; Bakki et al. 2024.
IAA aus Bakterien: Fu et al. 2015; Etesami 2024; Timofeeva 2024.
Ressourceneffizienz & Resilienz: Sun et al. 2021; Zhang et al. 2023.
